|
Allgemeine Hälterungsbedingungen
Tanganjikasee-Cichliden sind Süßwasserfische der Tropen, also dem Bereich zwischen dem Äquator und, in diesem Fall, dem südlichen Wendekreis. Die Tiere benötigen Wassertemperaturen von mindestens 22°C bis max. 28°C. Als ausgezeichneter Temperaturmittelwert hat sich 25°C bewährt. Das Wasser sollte einen pH-Wert von 7 besser 7,5 nicht unterschreiten. Nach oben kann der pH-Wert, wie bereits erwähnt, um die 9,0 liegen. Es ist darauf zu achten, daß keine das Wasser ansäuernde Dekorationsteile, wie etwa Moorkienholz oder Torf, in das Aquarium eingebracht werden. Die Gesamthärte sollte nicht unter 8°dGH fallen. Ist das Wasser zu weich, so sind Maßnahmen zu ergreifen, indem z.B. auf Natriumbikarbonat oder Natriumhydrogenkarbonat und auf die im Handel üblichen Mittel zurückgegriffen wird.
Damit das Wasser im Aquarium nicht zu stark belastet wird, ist für eine gute Filterung zu sorgen. Der Beckenbesatz sollte grundsätzlich mit Bedacht ausgewählt werden und bei zweifeln ein Händler des vertrauens oder Leute mit schon langjähriger Erfahrung mit den Fischen befragt werden. Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, daß die Cichliden auf Gedeih und Verderb auf den Pfleger angewiesen sind und eine artgerechte Haltung im Aquarium eigentlich nicht möglich ist. Dazu gehört deshalb immer eine möglichst große Beckengrundfläche und das Wissen über die Tiere, wie sie in der Natur leben! Die Vergesellschaftung verschiedenster Arten auf "engem" Raum, jedes Aquarium stellt im Vergleich des natürlichen Lebensraumes nur eine Pfütze dar. Was bei dem einen Pfleger im Aquarium harmoniert, muß bei einem anderen Liebhaber durchaus nicht zum Erfolg führen. Es wird wohl heute keinen Aquarianer mehr geben, der einen Lamprologus ocellatus, diese Art wird bekanntlich nur 5 cm groß, mit einem Lepidiolamprologus profundicola - dieser Cichlide kann über 30 cm lang werden - vergesellschaftet. Es muß grundsätzlich vor dem Beckenbesatz genauestens überlegt werden, welche Arten passen zusammen und welche Tiere sollten möglichst nicht miteinander vergesellschaftet werden. So können wir die Cichliden des Sees in verschiedene, wenn auch grob unterteilte, Gruppen führen, die mehr oder weniger gut zusammen passen.
Die große Artenschar der Aufwuchsfresser aus den Gattungen Petrochromis, Pseudosimochromis, Simochromis, Tropheus, Eretmodus, Tanganicodus, und Spathodus sind robuste Felsencichliden, die, wenn eine gezielte Vergesellschaftung stattfindet, einen herrlichen Beckenbesatz ergeben kann. Diese Arten lassen sich sehr gut miteinander vergesellschaften und verlangen auch das gleiche Futter. Somit sollte man diese Fische möglichst nur mit Futter das einen sehr hohen pflanzlichen Anteil besitz verwenden. Zu diesen Arten lassen sich andere Arten nur bedingt gut vergesellschaften, da diese dann meißt auch mal etwas Frostfutter benötigen. Julidochromis, einige Neolamprologus und die Schneckenbarsche könnte man noch mit vergesellschaften, jedoch unter der Einschränkung der Futtergabe. Der Besatz solch eines Beckens mit den genannten Arten läßt sich nicht pauschal benennen.
Tropheus sind in Paarhaltung nur echten Spezialisten überlassen, somit wird dem Allgemeinaquarianer eine Gruppenhaltung nicht erspart bleiben. Die Besatzdichte richtet sich nach Art, Geschlechterverhältnis, Einrichtung und Größe des Beckens. Als Auslegungspauschale gilt : Großes Becken, viele Fische, kleineres Becken weniger Fische. Tropheus sind innerartlich recht agressiv, um das Agressionspotential zu verlagern benötigt man ausreichend viele Tiere in einem Becken, sonst kommt es dazu das die Tiere sich gegenseitig dezimieren. Eine artgerechte Haltung ist in Gefangenschaft somit nicht möglich. Um diesen recht stressempfindlichen Tieren jedoch einen Aufenthalt im Aquarium zu ermöglichen müssen wir die Agressionen auf die Beckeninsassen verteilen. Versteckplätze sind nur bedingt geeignet, da die Tiere sonst permanent gestresst irgendwo hinter einem Stein kauern und eine Darminfektion ist dann meißt die Folge, welche falsch oder zu spät behandelt fatale Folgen auf den gesamten Besatz haben kann. Das Agressionspotential ist bei den Tropheusvarianten unterschiedlich, so kann man etwas pauschal ausgesagt die Tiere von Nord nach Süd mit höher zu niedriger agressive betrachten. Folglich sollte man bei den etwas agressiveren Varianten vom Norden des Sees auch mehr Tiere ins Becken setzen als man es vorraussichtlich bei den südlichen Varianten benötigt. Das Geschlechterverhältnis spielt keine so große Rolle. Entgegen alter Literatur in der aufgeführt wird die Tropheus wären nur mit einigen Männchen und vielen Weibchen zu hältern, empfehlen wir genau das Gegenteil. Die Tiere können ohne weiteres 1/1 (männlein/weiblein) gehalten werden, da sie auch so in der Natur gefangen werden, bzw Nachzuchten in diesem Verhältnis auch ausfallen. Wer nicht unbedingt diese Tiere in Massen nachzüchten will, sondern sich an diesen nur erfreuen will, kann dies in dieser Form ohne weiteres tuen.
Als Bodengrund kommt eigentlich nur feiner bis mittelgrober, nicht zu heller Flußsand in Frage. Wichtiger als der Boden, ist jedoch die Gestaltung der übrigen Einrichtung, die aus flachen und quaderförmigen Steinen bestehen sollte. Wichtig ist hierbei, daß markante Reviergrenzpunkte gesetzt werden, wie sie z.B. durch große, senkrecht stehende, flache Steinplatten entstehen, die dann Teile des Beckens für die Fische nicht sofort einsehbar machen. Ein oder zwei aus faustgroßen Feldsteinen bestehende Geröllinseln, die der Rückwand vorgelagert sind, runden den Gesamteindruck ab und bieten Jungfischen sowie den Grundelbuntbarschen aus der Gattung Eretmodus, Spathodus und Tanganicodus Unterschlupf.Eine Bepflanzung verbietet sich bei diesem Beckenbesatz aus zweierlei Gründen. Zum einen gibt es im natürlichen Lebensraum dieser Felsencichliden äußerst selten Pflanzen und zum anderen sind diese Buntbarsche keine Grünkostverächter. Da ist es schon besser, überbrühten Blattspinat zu füttern, als wertvolle Aquariumpflanzen zerfressen vorzufinden. Das Filtervolumen und die Filterfläche ist möglichst groß zu wählen. In der Praxis haben sich einfach zu handhabende, sog. Dreikammerbiofilter, bewährt. Die Kammern können sowohl mit Schaumstoff als auch Keramikröhrchen oder Kies gefüllt werden. Wichtig ist es darauf zu achten, daß eine gute Vorfilterung mit Filterwatte oder anderen Grobfiltermassen vorgeschaltet wird, damit nur dieses Medium in zeitlich kurzer Folge getauscht werden muß. Die darunter- oder dahinterliegende, mit Bakterien durchsetzte Filtermasse, sollte möglichst lange Standzeiten besitzen. Ein solches Filtersystem kann das Aquarienwasser pflegen, dennoch werden wir nicht umhinkommen, wenigstens alle Woche einen Teilwasserwechsel durchzuführen. Man bedenke die Fische kommen aus einem See in dem eines der reinsten Gewässer unserer Erde ist, der zudem 11% des auf unserer Erde befindlichen Trinkwasser enthält. Somit sollten wir unseren Pflegelingen häufig frisches Wasser gönnen, was speziell die Tropheusarten dann immer gerne mit herrlichen Farben beim Wasserwechsel danken.
Kärpflingscichliden der Gattung Cyprichromis und Paracyprichromis, Fadenmaulbrüter der Gattung Ophthalmotilapia, Cyathopharynx, Cunningtonia und Aulonocranus.sowie Sandcichliden aus der Gattung Xenotilapia, Enantiopus, Grammatotria, Lestradea und Ectodus sowie kleinere Höhlenbrüter der Gattung Neolamprologus sind als zweite Gruppe sehr gut geeignet. Bei diesem Besatz sollten an sich keine Probleme auftreten, da die Tiere untereinander nicht allzu aggressiv sind und Beschädigungskämpfe, bis auf bei den Neolamprologus, nicht zu erwarten sind.Weitaus schwieriger ist der Besatz für ein Höhlenbrüter-Aquarium zu wählen. Weil die Tiere oft sehr ähnliche Lebensansprüche besitzen, ist eine Vergesellschaftung an sich ideal, andererseits hindert sie uns daran, eine zu große Anzahl verschiedener Arten miteinander zu vergesellschaften. Die kleinsten unter den Höhlenbrüterarten sind die sogenannten Schneckenbuntbarsche, die ihre Gelege in die leeren Gehäuse der Neothauma-Schnecke heften. Im Aquarium erfüllen Weinbergschneckengehäuse aus dem Feinkostladen sehr gut ihre Aufgabe. Diese kleinen Buntbarsche lassen sich am besten paarweise ab 60 l-Wasserinhalt pflegen. Ein Bodengrund aus feinem Sand sollte keinesfalls fehlen, denn die meisten Arten lieben es geradezu, die Gehäuse einzugraben.Einige faustgroße Steine können als Beckendekoration und Versteckplatz dienen. Größere Höhlenbrüterarten benötigen auch ein größeres Becken, obwohl fast alle Lamprologini - hierbei handelt es sich um eine Gattungsgruppe, in der die Cichliden (fast alles Höhlenbrüter) der Gattung Lamprologus,Chalinochromis, Julidochromis, Lepidiolamprologus, Neolamprologus und Telmatochromis geführt werden - zu den nicht sehr schwimmfreudigen Arten gezählt werden müssen, benötigen sie mehr oder weniger große Brutreviere, die sie gegen Eindringlinge vehement verteidigen. Ein Becken für Höhlenbrüter sollte einen Bodengrund aus Sand besitzen, der nicht zu hell ausfallen darf. Pflanzen können getrost eingebracht werden, da die Lamprologini in der Regel Fleischfresser oder Kleinbrockenfresser sind und selbst zartes Grün nicht anknabbern. Ausreichend Versteckplätze muß das Aquarium ebenfalls besitzen, damit sich unterdrückte Tiere zurückziehen können. Gelingt den Fischen das nicht, so beschädigen sich die Tiere bei ihren Attacken, denn die meisten Höhlenbrüterarten verstehen es zu kämpfen. Die für das Aquarium ausgewählten Cichliden sollten sich in Körperform und Körperfarbe nicht allzu ähnlich sein, da sonst die meist stark ausgeprägte, innerartliche Aggression auch auf die ähnlichen Arten übertragen wird. Als Begleitfische eignen sich in einem mit zahlreichen Felsen dekorierten Aquarium, sehr gut die Kärpflingscichliden aus derGattung Cyprichromis und Paracyprichromis. Aber auch einige Xenotilapia, Ectodus und Lestradea sind geeignet, die nicht von den Höhlenbrütern bewohnten Freiräume zu besetzen. Zu den Chalinochromis- und Julidochromis-Arten passen auch Aufwuchsfresser der Gattung Tropheus, Petrochromis und Simochromis.. Fleisch- und Kleinbrockenfresser können sehr gut mit Tümpelfutter ernährt werden. Dieses muß nicht unbedingt in lebender Form angeboten werden, sondern kann aus der Tiefkühltruhe stammen, wenn es vorher vernünftig aufgetaut wird. Die verschiedenen Mückenlarven, Cyclops, Wasserflöhe, große und kleine Salinenkrebse, Mysis, Bachflohkrebse, Krabben und Fischfleisch sind je nach Art und Größe des Tieres zu verfüttern. Nach einer Eingewöhnungszeit nehmen die meisten Tanganjikasee-Buntbarsche auch Flockenfutter oder Futtersticks zu sich. Wichtig ist das ausgewogen gefüttert wird und eine Überfütterung nicht stattfindet! Das gilt im gleichen Maße für die große Gruppe der Aufwuchsfresser. Bei diesen Cichliden ist besonders darauf zu achten, daß die Nahrung ballastreich ist! Werden diese Tiere nicht langsam an neue Futtermittel gewöhnt, so können die Aufwuchsfresser schnell Magen- und Darmprobleme bekommen. Viele Züchter halten diese Tiere mit einer 70 - 80 prozentigen Flocken- oder Stickfutter-Ernährung und geben vorsichtig weiße Mückenlarven, Artemia salina und Cyclops als Beifutter.
|